19 km bis Schweinfurt:

Aus der Vergangenheit der TT-Abteilung

Dieter Ott

 

 In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts trafen sich einige sportliche junge Leute im Saal über dem Bierkeller der Brauerei Sperber, um Tischtennis zu spielen. So manch einer erinnerte sich in meinen Gesprächen noch an einen Holzbalken mit der Aufschrift „1871“. An Namen wurden genannt: Heinz Fischer, Rolf Fugmann, Günter Wendt, Erich Meyer, ein gewisser Kräußlich aus Großwalbur. Klaus Scheler, Rainer Gerhardt. Weitere Namen findet Ihr in den Bildunterschriften.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 1: Brauerei und Gasthof Sperber 1953, später als Hansen-Bräu bekannt.

Diese Spielabende waren deutlich aufwendiger als heute. Zunächst mussten die Stühle und Tische zur Seite geräumt werden. Gespielt wurde an der einzigen verfügbaren Platte. Zum Leidwesen der Spieler rollte der Ball natürlich immer wieder unter die zur Seite geräumte Einrichtung. Die notwendige Ballsuche unterbrach den Spielfluss.

 

Im Winter wurde mit dem einzigen im Raum verfügbaren Ofen geheizt, einem Sägespäneofen. Er gab etwas Wärme ab. Das hört sich leichter an, als es in Wirklichkeit war, manchmal jedenfalls. Gerhard Höhn schrieb in seinen Erinnerungen zum 50-jährigen Bestehen der TT-Abteilung:

„Wir hatten einmal zwei Spieler aus Coburg, die kamen im Winter immer mit dem Zug um 18 Uhr zum Spiel – Beginn 20 Uhr. Sie nutzten die Zeit zum Warmspielen. Wel aber der Sperber-Saal eiskalt war, füllten sie den Sägespäneofen mit kaputten Bällen, Bierfilzen, Papir und anderen brennbaren Stoffen und zündeten ihn an. Nur dumm, dass am Ofen kein Ofenrohr dran war. Beim anschließenden Punktspiel gegen Wiesefeld konnten wir unsere Gegner nur im Nebel erkennen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 2: So manches Talent betrat in diesem Saal erstmals die Bretter, die die Welt bedeuten (können).

Dieser große Saal war mit Reck, Barren (kein Stufenbarren) ausgestattet. Es wurde geturnt und es gab bereits ein Kinderturnen. Aber auch zum Fasching und zu Kinderfesten kam man hier zusammen. Anziehungspunkt war eine Kegelbahn. Später zogen auch die Schützen in den Saal und betrieben ihren Sport. Auf der Bühne wurden Lustspiele aufgeführt, auch wenn der Hauptteil der schauspielerischen Aktivitäten – vor allem die Operetten - im Saal der Gastwirtschaft Herpich „gegeben“ wurden.

 

Diese Spieler suchten einen Vorstand, um einen regulären Spielbetrieb in der Liga aufnehmen zu können, und traten an Gerhard Höhn heran. Gerhard war durch seine schauspielerische Beteiligung an den Theaterstücken und … kein Unbekannter. Obwohl Gerhard zunächst nicht richtig zog, ließen sie nicht locker. Schließlich willigte Gerhard ein. So wurde die TT-Abteilung als dritte des TSV 06 Meeder gegründet.

 

Die ehemaligen Spieler erinnerten sich, dass Rolf Fugmann und Günter Wendt Kreismeister im Doppel wurden. Das war zu damaliger Zeit ein besonderer Erfolg der noch relativ jungen Abteilung.

 

Spielorte blieben auch in den 80er-Jahren für viele Vereine Mangelware. In Nachbarschaftshilfe zum TSV 05 Großwalbur wurde ab 1.10.1984 dienstags auf die dem TSV 06 Meeder zustehenden Spielzeiten in der Schulturnhalle verzichtet, wobei die bereits vereinbarten Punktspiele toleriert wurden.

 

Leider verließen viele Spieler unsere Abteilung, meist lag es an der beruflichen Entwicklung. Die führte z. B. Oliver Höhn nach Neuperlach, wo er jedoch weiter zum TT-Schläger griff. So initiierte er gegenseitige Treffen der Spieler beider Vereine, die über die gastfreundliche Aufnahme beim TSV 06 Meeder in ihrer Vereinszeitschrift aus den Jahren 1999, 2000 und 2006 berichteten.Die Ergebnisse der einzelnen Paarungen sind eher zweitrangig. Das gemeinsame Spiel bereitete offenbar so viel Vergnügen, dass es für weitere gegenseitige Treffen motiviert. 1999 hatten wir uns durch Pfarrer Lippe vom Nachbarverein Wiesenfeld verstärkt. 2006 milderte unsere „Leihgabe“ Bianka Bienek die Niederlage unserer Gäste noch um zwei Punkte. Anschließend wurde gegrillt. Trotz der Völlerei wurde dann bei einem der Treffen Fußball bis zur Erschöpfung gespielt. Und am nächsten Tag ging es nach einer kurzen, feuchten Nacht auf die Veste Coburg.

 

Etwa ab 1979 beteiligten sich Mädchen am Training. Daraus entstanden schließlich Damenmannschaften.

 

Diese Geschichte der TT-Abteilung hätte ich auch mit „Männer, die auf kleine weiße Bälle schlagen“ überschreiben können. Aber erstens sind inzwischen etliche Frauen mit gutem Erfolg am Geschehen beteiligt, im Sport tradionell „Damen“ genannt. Und zweitens will ich die Entwicklung festhalten, weil ich bewusst machen möchte, dass eine solche Abteilung erst nach und nach wächst und es sich daher lohnt, das Erreichte zu pflegen und auszubauen.

 

Für ihre Unterstützung zu diesem Beitrag mit Informationen, kleinen Geschichten und Fotos bedanke ich mich bei (in alphabetischer Reihenfolge) den Tischtennisspielerinnen und Tischtennisspielern Elke Bräutigam, Elke Fuchsberger, Rainer Gerhardt, Gerhard Höhn, Rüdiger Menzner, Helmut Meyer. Martin Sienert.

 

Die Abteilungsleiter Zeittafel:

1960-1987 Gerhard Höhn

1988-1991 Günther Wohlfahrt

1991-1996 Martin Sienerth

2002-2003 Frank Hoffmann

2004 – heute Rüdiger Menzner

 

Werfen wir einen Blick auf die Akteure:

Mannschaft Mädchen II zum 100jährigen   Jubiläum  2006:

Von links: Selina Straub, Veronika Depperschmidt, Lisa Chance, Schirin Straub

Mannschaft Herren I  zum 100jährigen Jubiläum 2006:

Von links: Thomas Kräußlach, Holger Gleissner, Thomas Krämer, Frank Hoffmann, Reiner Puff, Martin Sienerth

Mannschaft Herren II zum 100jährigen Jubiläum 2006:

Von Links: Jürgen Fischer, Gerhard Höhn, Ulrich Sollmann, Matthias Sienerth, Stephan Sollmann, Rüdiger Menzner, Josef Kieslinger, Dieter Ott

Mannschaft Mädchen I zum 100jährigen Jubiläum 2006:

Von links: Cornelia Renner, Jasmin Puff, Lisa Bätz, Annabelle Menzner

Jungen Mannschaften I – III zum 100jährigen Jubiläum 2006:

Hintere Reihe von links: Konstantin Meyer, Kai Renner, Andreas Bruckner, Benny Truckenbrodt, Daniel Fischer,

Vordere Reihe von links: Thorsten Renner, Niklas Weisser, Simon Fischer, Philipp Pabst, Johannes Weisser

Mannschaft Damen I zum 100jährigen  Jubiläum  2006:

Von links: Nadja Weisser, Carmen Weisser, Bianka Bienek, Beatrice Höhn, Anja Baudler, Nicole Keller

Meistermannschaft Damen II von 2010

Meister Kreisliga II 2010 und Aufstieg in die Kreisliga I

Hintere Reihe von links: Selina Straub, Lisa Bätz, Cornelia Renner

Vordere Reihe von links: Annabelle Menzner. Nadja Weisser, Carmen Weisser

Mannschaft Herren I 2010:

Von links: Johannes Weisser, Thomas Kräußlach, Frank Hoffmann, Holger Gleissner, Jürgen Fischer, Reiner Puff

Mannschaft Herren II:

Meister Kreisliga IV 2011 und Aufstieg in die Kreisliga III

Hintere Reihe von links: Josef Kieslinger, Benny Truckenbrodt, Stephan Sollmann, Simon Fischer

Vorne von links: Niklas Weisser, Thomas Krämer

Mannschaft Herren II 2011:

Hintere Reihe von links: Moritz Hochberger, Adrian Eckardt, Andreas Heller, René Beiersdorfer, Ulrich Sollmann

Vordere Reihe von links: Niklas Weisser, Dieter Ott, Rüdiger Menzner, Martin Sienerth

Meistermannschaft Herren I von 2012:

 

Meister Kreisliga II 2012 und Aufstieg in die Kreisliga I

Hintere Reihe von links: Niklas Weisser, Frank Hoffmann, Reiner Puff

Vordere Reihe von links: Thoma Kräußlach, Josef Kieslinger, Johannes Weisser

 

Mannschaft Herren III 2013:

Von links nach rechts: Gerhard Höhn, Rüdiger Menzner, Konrad Dinges, Dieter Ott, Julian Gleißner, Ulrich Sollmann, Adrian Eckardt, Martin Sienerth.

Meistermannschaft Herren I von 2015:

Meister Kreisliga I 2015 und Aufstieg in die Bezirksliga Oberfranken III

Hintere Reihe von links: Johannes Weisser, Holger Gleissner, Niklas Weisser, Florian Schott, Konrad Dinges

Vorne von links: Frank Hoffmann, Josef Kieslinger

Meistermannschaft Damen I von 2016:

Meister Bezirksliga III 2016 und Aufstieg in die Bezirksliga II

Von links: Bianka Bienek, Carmen Weisser, Cornelia Bromme, Anja Baudler, Nicole Keller

Kleines PS mit weiteren Anekdoten, aufgezeichnet von Gerhard Höhn:

Wir fuhren zu einem Spiel nach Kleingarnstadt – im Winter mit viel Schnee und Schneeverwehungen. Wir kamen bis kurz vor Oberfüllbach. An einer Lichtung war die Straße total zugeweht. Aber wir waren ja erfinderisch. Erst haben wir den Gogo von Heinz Fischer über eine Wiese geschoben, dann dieselbe Prozedur mit dem VW von Günter Jarausch. Alles gut – denkste! Hinter Großgarnstadt versanken wir in einer Schneelawine. Der Gogo war nicht mehr zu sehen. Also Gogo rausziehen, VW vor – dasselbe Dilemma. Also wieder auf der Straße umgewendet und zurück nach Großgarnstadt in die nächste Wirtschaft, unsere nassen Klamennten zum Trocknen um den Kachelofen gehängt und gekartet, bis das Zeug trocken war. Ich glaube, es war früh um 3 Uhr.



Es war an einem Kirchweih-Freitag. Nach dem Spiel gegen Thann und dem gemütlichen Beisammensein in der Gastwirtschaft Meyer wollten einige unserer Gäste partout noch nicht nach Hause und so gingen wir früh so gegen 4 Uhr noch zu mir. Meine Frau hatte für die Kirchweih schon einen Streuselkuchen gebacken. Die Thanner kamen in die Küche, sahen den Kuchen, griffen die daneben liegende Schere und vertilgten den Kuchen Ratzibutz. Sie mussten die Kirchweih ja nicht mit meiner Frau verbringen...